Gleiche Chancen – auch für Roma-Kinder!

Laut einer aktuellen EU-Statistik schaffen es nur 42% der Roma-Kinder, die Grundschule erfolgreich abzuschließen. Grund dafür ist ein scheinbar endloser Kreislauf aus Armut, Bildungsferne und Diskriminierung. Die Bürgerstiftung Lilienthal versucht mit verschiedenen Projekten, diesen zu durchbrechen.

Seit 2008 bietet die Bürgerstiftung Lilienthal eine außerschulische Lernbetreuung für Kinder aus sozial benachteiligten Familien und Familien mit Migrationshintergrund an. In kleinen Gruppen werden dabei die Hausaufgaben des jeweiligen Tages erledigt und man versucht, Lerndefizite auszugleichen. Um Letzteres besonders effektiv zu gestalten, geben einige der 43 Ehrenamtlichen den Kindern Einzelunterricht in Fächern wie Deutsch oder Mathematik. Unter den mehr als 60 betreuten Kindern sind auch 14 Kinder aus Roma-Familien. Gerade deren Betreuung ist ein besonderes Anliegen der Bürgerstiftung, denn viele dieser Kinder werden in der Schule nicht ausreichend gefördert und haben daher meist sehr große Probleme damit, einen Schulabschluss zu erreichen.

Die Projekte der Bürgerstiftung dienen jedoch nicht nur dem „klassischen“ Lernen, sondern auch der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. So wird beispielsweise versucht, den Kindern einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen, indem gemeinsam Ausstellungen besucht werden. Anschließend malt die Gruppe Bilder zum jeweiligen Thema, die dann in einer kleinen Vernissage den Eltern vorgestellt werden.

Dabei sprechen die Kinder über die Gedanken, die sie sich während des Malens gemacht haben, wobei laut Christa Kolster-Bechmann, Vorsitzende der Bürgerstiftung, selbst Kinder, die sonst große Probleme damit haben, sich sprachlich auszudrücken, beeindruckende Leistungen zeigen.

Aber nicht nur Kunst ist ein großes Thema. Die Bürgerstiftung vermittelt ihre Schützlinge auch weiter an Musikschulen und Sportvereine und ist besonders bedacht darauf, dass jedes der Kind schwimmen lernt. Hierbei können die Kinder viele positive Erfahrungen sammeln und entdecken, für wie viele der Dinge, die abseits der Schule stattfinden, sie Talent haben. So betreut die Stiftung beispielsweise einen Jungen, der im Schulunterricht zwar sehr zu kämpfen hat, es dafür aber geschafft hat, das goldene Abzeichen im Schwimmen zu erreichen.

Das Feedback zum Engagement der Bürgerstiftung ist sehr positiv. So hört man beispielsweise häufig von den Kindern, dass es ihr Ziel sei, künftig ein besseres Leben zu haben, als das, das ihre Eltern führen. Dementsprechend hart arbeiten sie auch dafür und so gelingt einigen unter ihnen nach der Grundschule der Übertritt in die Realschule oder in Einzelfällen sogar auf das Gymnasium. Auch die Eltern schätzen das Programm, denn da sie selbst oft Analphabeten sind, erkennen sie die Wichtigkeit der Bildung und der Selbstständigkeit, die ihre Kinder dadurch erhalten. Während sie meist noch die Förderschule besuchten, ist es der Bürgerstiftung gelungen, die Kinder so gut zu unterstützen, dass keines von ihnen dort zur Schule gehen oder eine Klasse wiederholen musste.

Das Preisgeld möchte die Stiftung unter anderem für die Förderung weiterer Kunstprojekte nutzen. So finden beispielsweise in Kürze weitere große Ausstellungen in Bremen statt, die die Ehrenamtlichen gerne mit den Kindern besuchen würden. Aber auch andere Ausflüge, wie beispielsweise in den Zoo sind geplant, um den Kindern etwas Abwechslung vom Alltag zu bieten.

Text verfasst von Lisa Hossan